Kanister und Fässer reinigen: Anleitung nach Einsatzzweck

Werkbank mit blauem Kunststoffkanister, dessen schwarzer Schraubdeckel daneben liegt, und blauem Deckelfass mit abgenommenem Deckel und Spannring; dazwischen eine langstielige Bürste, eine Schale mit Reinigungspulver und ein Tuch

Die Kurzantwort

Reinigen Sie in drei Schritten: ausspülen, mechanisch lösen, bei Bedarf desinfizieren. Für den Alltag genügen handwarmes Wasser, etwas Spülmittel und eine lange Bürste. Gegen Kalk hilft Zitronensäure, gegen Gerüche und Fett Natron oder Soda. Sitzt bereits ein schmieriger Belag im Behälter – ein Biofilm –, kommen Hausmittel nicht weiter: dann brauchen Sie Aktivsauerstoff auf Basis von Natriumpercarbonat oder, bei Trinkwasser, Entkeimungstabletten. Wichtigste Grenze: Das Wasser darf nicht heißer als 60 °C sein, sonst verzieht sich der Kunststoff. Und niemals scheuern – jeder Kratzer ist ein neues Versteck für Keime.

Die drei Schritte

  1. Ausspülen: Reste sofort nach dem Entleeren herausspülen, am besten zweimal mit klarem, handwarmem Wasser. Was frisch ist, geht ohne Chemie weg. Eingetrocknete Reste kosten später ein Vielfaches an Aufwand.
  2. Mechanisch lösen: Beläge brauchen Reibung. Bei Fässern mit abnehmbarem Deckel arbeiten Sie mit Bürste und Schwamm. Bei Kanistern, in die keine Hand passt, füllen Sie zwei Finger breit lauwarmes Wasser mit einem Spritzer Spülmittel ein und schütteln kräftig. Eine Handvoll Reis oder sauberer Kies wirkt dabei als Schleifkörper, ohne die Wand zu verkratzen.
  3. Desinfizieren: Nur nötig, wenn der Behälter Trinkwasser oder Lebensmittel aufnehmen soll, oder wenn er lange stand. Ein sauber gespülter Regenwasserbehälter braucht keine Desinfektion.

Zwei Hände schütteln einen geschlossenen blauen Kunststoffkanister; durch die Öffnung ist Schaum vom Spülwasser zu sehen, im Hintergrund Bürste und Schale

Welches Mittel wofür

  • Spülmittel: Fett und frische Rückstände. Gründlich nachspülen, sonst schäumt es beim nächsten Befüllen.
  • Natron oder Soda: Gerüche und fettige Filme. Etwa ein Esslöffel auf einen Liter warmes Wasser, mehrere Stunden einwirken lassen. Beide reinigen, sie desinfizieren aber nicht.
  • Zitronensäure: Kalk und Verfärbungen. Gegen Biofilm richtet sie kaum etwas aus, und hoch konzentriert kann sie Kunststoff angreifen. Sparsam dosieren und nicht über Nacht stehen lassen.
  • Aktivsauerstoff (Natriumpercarbonat): das Mittel der Wahl gegen Biofilm, aus dem Hobbybrauen bekannt. Rund 4 Gramm auf einen Liter Wasser von 40 bis 50 °C, drei bis fünf Minuten einwirken lassen. Die Lösung verliert nach 15 bis 20 Minuten ihre Wirkung, setzen Sie sie also frisch an und mischen Sie nur so viel, wie Sie sofort verbrauchen.
  • Entkeimungstabletten: für Trinkwasser und Notvorrat. Sie desinfizieren das Wasser und den Behälter, wenn Sie ihn mit der fertigen Lösung ausschwenken. Dosierung und Wartezeit stehen auf der Packung.

Was Sie dem Kunststoff nicht antun sollten

Unsere Kanister und Fässer bestehen aus HDPE. Das Material ist zwischen etwa −50 und +70 °C formstabil, aber dauerhaft über 60 °C verzieht es sich. Daraus folgt:

  • Kein kochendes Wasser. Handwarm bis maximal 60 °C reicht für jede Reinigung völlig aus.
  • Nicht in die Spülmaschine. Die Temperaturen dort liegen über der Grenze, Kanister kommen verformt wieder heraus.
  • Kein Scheuermittel, keine Drahtbürste, kein Topfkratzer. Kratzer bekommen Sie nie wieder heraus, und in ihnen siedelt sich genau der Biofilm an, den Sie loswerden wollten.
  • Keine Lösungsmittel wie Aceton, Verdünner oder Benzin zum Reinigen. Sie hinterlassen Geruch im Material, der später in den Inhalt zurückwandert.
  • Nicht in der prallen Sonne trocknen. UV-Strahlung macht den Kunststoff über die Jahre spröde.

Enghals oder Weithals: der Zugang entscheidet

Wie gründlich Sie reinigen können, hängt an der Öffnung. Ein Deckelfass lässt sich komplett öffnen und wie ein Eimer auswischen – das ist der bequemste Fall. Ein Schraubdeckelfass hat eine große, aber feste Öffnung: Bürste ja, Hand meist nein. Kanister haben je nach DIN-Gewinde nur 45 bis 71 Millimeter Öffnung, hier bleibt es beim Schütteln und Spülen. Wer regelmäßig gründlich reinigen muss, sollte diesen Punkt schon beim Kauf mitdenken und eher zum Deckelfass greifen.

Blaues Deckelfass liegt geöffnet auf der Werkbank, eine Hand führt eine langstielige Bürste durch die Öffnung an die Innenwand; Deckel und Spannring liegen daneben

Verschluss und Dichtung reinigen Sie getrennt. Im Gewinde und unter der Dichtscheibe sitzt oft mehr Belag als im Behälter selbst. Sind Dichtungen hart, rissig oder riechen sie, ersetzen Sie sie – passende Deckel und Verschlüsse kosten wenig.

Nach Einsatzzweck

Trinkwasser und Notvorrat. Vor der ersten Befüllung ausspülen, danach nach jeder Entleerung. Wird der Kanister eingelagert, reinigen Sie ihn, trocknen ihn vollständig und legen den Deckel nur lose auf. Bei längerer Lagerung des gefüllten Kanisters gehört eine Entkeimungstablette ins Wasser. Ein Kanister, der einmal Kraftstoff oder Reinigungsmittel enthalten hat, wird nie wieder Trinkwasserkanister – der Geruch sitzt im Material.

Gärfass und Lebensmittelfass. Hier ist Hygiene keine Frage des Komforts, sondern des Ergebnisses. Reinigen Sie vor jedem Ansatz mit Aktivsauerstoff, spülen Sie klar nach und lassen Sie das Fass abtropfen. Achten Sie besonders auf Gärverschluss, Dichtring und die Rinne des Wasserrands, wenn Sie ein Gärfass verwenden. Wie der Ansatz selbst gelingt, steht im Ratgeber zum Sauerkraut im Gärfass. Dass der Behälter überhaupt für Lebensmittel zugelassen sein muss, erklärt der Ratgeber lebensmittelecht.

Regentonne. Einmal im Jahr lohnt sich der Aufwand, am besten im Spätherbst vor dem Frost. Tonne leeren, Laub und Schlamm vom Boden holen, Wand mit Bürste und klarem Wasser abreiben. Algen sind kein Hygieneproblem, sondern ein Lichtproblem: Ein dichter Deckel und ein schattiger Standort verhindern sie besser als jedes Mittel. Chemie hat im Gartenwasser nichts verloren, es landet später auf den Pflanzen. Mehr dazu im Ratgeber Fass als Regentonne.

Kraftstoff, Öl und Chemie. Solche Kanister reinigt man nicht mit Wasser, sondern spült sie mit einer kleinen Menge des gleichen Mediums aus und entsorgt diese Spülmenge über den Wertstoffhof. Wasser bringt Rost in Metallteile und lässt sich aus einem Enghalskanister kaum vollständig entfernen. Diese Behälter bleiben dauerhaft ihrem Zweck zugeordnet und werden beschriftet.

Trocknen und lagern

Der häufigste Fehler passiert nach der Reinigung. Ein feucht verschlossener Behälter ist die perfekte Brutstätte: In einer Woche riecht er muffig, in vier Wochen sitzt der Biofilm wieder. Stellen Sie Kanister und Fässer deshalb kopfüber oder stark geneigt auf, bis wirklich kein Tropfen mehr im Inneren steht. Danach mit lose aufgelegtem, nicht zugedrehtem Deckel lagern, dunkel und kühl. Einen Trichter und die Bürste reinigen und trocknen Sie gleich mit.

Blauer Kanister und blaues Fass stehen kopfüber und leicht geneigt zum Abtropfen auf der Werkbank; Schraubdeckel, Fassdeckel und Spannring liegen lose daneben

Wann ein Behälter ersetzt gehört

Kunststoff hält lange, aber nicht ewig. Tauschen Sie aus, wenn die Innenwand deutlich zerkratzt oder milchig-stumpf geworden ist, wenn ein Geruch auch nach gründlicher Reinigung bleibt, wenn sich Haarrisse zeigen oder das Material beim Drücken knackt statt nachzugeben. Bei Behältern für Trinkwasser und Lebensmittel gilt im Zweifel: neu kaufen. Ein Kanister kostet weniger als ein verdorbener Vorrat.

Häufige Fragen

Reicht Essig zum Desinfizieren? Nein. Essig löst Kalk und nimmt Gerüche, gegen Biofilm und Keime ist er zu schwach. Für Trinkwasserbehälter nehmen Sie Entkeimungstabletten, für Lebensmittelfässer Aktivsauerstoff.

Wie oft muss ich reinigen? Nach jeder Entleerung kurz ausspülen. Gründlich reinigen Sie vor jeder neuen Nutzung, bei dauerhaft gefüllten Trinkwasserkanistern etwa alle drei Monate, bei der Regentonne einmal jährlich.

Der Kanister riecht nach dem Trocknen immer noch. Was tun? Eine Nacht mit Natronlösung stehen lassen, ausspülen, offen und vollständig trocknen. Bleibt der Geruch, hat er sich im Kunststoff festgesetzt und geht nicht mehr weg. Dann ist der Behälter nur noch für den ursprünglichen Zweck brauchbar.

Kann ich einen Hochdruckreiniger benutzen? Für Fässer von innen im Ausnahmefall ja, mit Abstand und Flachstrahl. Halten Sie den Strahl nicht auf eine Stelle: Der Punktstrahl trägt Material ab und hinterlässt genau die raue Oberfläche, die Sie vermeiden wollen.

Sie sind unsicher, welcher Behälter für Ihren Zweck der richtige ist? Der Ratgeber Fasstypen erklärt vergleicht die Bauarten, und wir beraten Sie gern persönlich.

Stand: September 2026

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